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Neurowissenschaften

Wie viel Mensch erträgt der Affe?

Ethiker kritisieren Methoden der Hirnforschung

Das Übertragen von menschlichen Hirn-Stammzellen auf Menschenaffen könnte zu einem moralischen Problem werden, betonen einige US-Forscher. Gross sind die Hoffnungen, die in künftige Stammzellentherapien gesetzt werden. Auch Störungen im Menschenhirn wie etwa Alzheimer- oder Parkinsonkrankheit könnten vielleicht einmal durch Implantation von jungfräulichen und daher noch gesunden menschlichen Gehirn-Stammzellen geheilt werden, spekulieren die Neurowissenschafter.

Doch um herauszufinden, ob so was überhaupt funktionieren kann, muss man es ausprobieren. Und da undenkbar ist, solche rein experimentellen Tests direkt an Menschen durchzuführen, greift man eben auf das zweitbeste mögliche Modell zurück, auf Menschenaffen. Es ist daher gängige Technik, unseren nächsten Verwandten menschliche Stammzell-Linien einzupflanzen, um herauszufinden, wie sich solche noch nicht ausdifferenzierte Nervenzellen verhalten in den Affenhirnen.

Dies hat nun neuartige ethische Bedenken provoziert. In der jüngsten Ausgabe von «Science» legen 22 US-Forscher dar, was gegen diese gängige Praxis einzuwenden wäre. Dabei stösst nicht primär das Überschreiten der Spezies- oder Artengrenze auf Kritik – letzteres tun wir ja schon längst etwa mit dem Transplantieren von Schweine-Herzklappen in kranke Menschenherzen.

Nein, die Besorgnis ist eine ganz andere. Könnte es nicht sein, dass die Affen eine ganz neue moralische Qualität bekommen, wenn sie jetzt plötzlich mit menschlichen Hirnzellen durch die Gegend streifen? Sind die derart mit typisch menschlichen Zellen ausgestatteten Affen dann überhaupt noch Tiere, oder müssten sie nicht je nach Anzahl implantierter Zellen eigentlich bis zu einem gewissen Grad als Menschen betrachtet – und behandelt werden? Letzteres hätte dann zur Konsequenz, dass Stammzellentests an Menschenaffen als ethisch ebenso verwerflich einzustufen wären wie an Menschen.

Alles ein wenig weit her geholt, scheint mir. Tierschützer könnten sich ja auch auf den Standpunkt stellen, es sei den Affen unzumutbar, mit Menschen-Hirn-Zellen leben zu müssen: die reine Tierquälerei. Und hätten damit möglicherweise Recht.

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