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Medizin

Für die Dritte Welt noch zu teuer

Harald zur Hausen sprach in Basel über die Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Krebs mit einer Impfung verhindern – was nach einem frommen Wunsch tönt, ist jetzt zumindest im Falle des Gebärmutterhalskrebses möglich. Harald zur Hausen, der «Erfinder» der ersten wirkungsvollen Krebsimpfung, war zu Gast in Basel und erzählte vom langen Weg von der Laborforschung bis zur Impfung. «Einmal mehr ist der Beweis erbracht, dass es sich lohnt, dran zu bleiben – auch wenn die Kollegen anfänglich lächeln»: Mit diesen Worten stellte Wolfgang Holzgreve, der Vorsteher der Frauenklinik am Basler Universitätsspital, seinen Star-Gastredner vor. Tatsächlich hatte Harald zur Hausen schon vor dreissig Jahren die Fährte aufgenommen, die von den humanen Papillomaviren (HPV) zum Gebärmutterhalskrebs führt und in der Entwicklung eines Impfstoffes gegen den bei Frauen zweithäufigsten Tumor gipfelte. Der am deutschen Krebsforschungszentrum tätige Wissenschaftler hielt über sein Lebenswerk im Rahmen der 41. Fortbildungsveranstaltung der Basler Frauenklinik die Otto-Käser-Gedächtnis-Vorlesung.

Auch Männer gefährdet. Die Papillomaviren haben es in sich. Etwa 150 Typen dieser DNA-Viren sind heute bekannt, schätzungsweise 30 unter ihnen können die Haut und Schleimhaut im Mund-, Anal- und Genitalbereich befallen. Die Übertragung geschieht hauptsächlich durch ungeschützte Intimkontakte, somit sind beide Geschlechter gleichermassen gefährdet. Laut Harald zur Hausen erwischt es die Hälfte aller Frauen und Männer irgendeinmal im Leben. Glück hat, wer bloss mit einem Niedrigrisiko-Virustyp in Berührung kommt: Die Infektion wird wahrscheinlich ohne Symptome innert Jahresfrist abheilen, allenfalls werden an den befallenen Körperstellen kleine Feigwarzen wachsen – lästig und vielleicht peinlich, aber nicht lebensgefährlich.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Papillomaviren dem Hochrisiko-Typ zuzurechnen und zwei Jahre nach der Infektion immer noch nachweisbar sind im Körper. «Dann besteht für Frauen ein gewisses Risiko, innert 20 Jahren an Krebs zu erkranken», weiss Harald zur Hausen aus Erfahrung. Besonders die HPV-Typen 16 und 18 konnten mit Krebsentstehung in Verbindung gebracht werden. Zumindest lässt sich die entsprechende Viren-Erbsubstanz in 95 Prozent der Gebärmutterhals-Krebszellen nachweisen, in 70 Prozent der Analkarzinome und etwa der Hälfte der Penis-Tumore.

Besonders in der Dritten Welt. Besonders hart trifft es die Frauen, und zwar in der Dritten Welt. 83 Prozent der jährlich knapp 500 000 neuen Fälle werden in «ressourcenarmen Ländern» diagnostiziert, in der Schweiz sind es deren 300, davon 88 mit tödlichem Ausgang. Weltweit sterben jedoch jedes Jahr etwa 234 000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Dieser ist somit global nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebs-Todesursache bei Frauen.

Dagegen ist jetzt dank der Entwicklung von Impfstoffen gegen HPV ein Kraut gewachsen. Bereits in den USA zugelassen ist «Gardasil» (entwickelt von Merck & Co). Der Impfstoff wurde diesen Sommer auch in Europa zugelassen und soll demnächst ebenfalls in der Schweiz eingeführt werden. Er schützt sowohl gegen die Hochrisiko-Viren HPV 16 und 18 als auch gegen HPV 6 und 11, die Erreger von Genitalwarzen. Dieser erste Krebs-Impfstoff wird schon bald Konkurrenz erhalten, die britische GlaxoSmithKline will im 2007 mit ihrem «Cervarix» auf den Markt kommen, das neben HPV 16 und 18 auch vor den HPV-Typen 31 und 45 Schutz bieten soll. Somit schützt die Impfung etwa gegen 75 Prozent der krebserregenden Viren, mit anderen Worten: Auf die regelmässige Vorsorge-Untersuchung sollte trotz Impfung nicht verzichtet werden.

Wer kann das bezahlen? Drei Mal muss beispielsweise Gardasil innerhalb von sechs Monaten injiziert werden, damit der Impfschutz während etwa fünf Jahren gewährleistet ist. Und die Behandlung ist mit 350 USD nicht gerade billig, jedenfalls viel zu teuer gerade für die Dritte Welt, wo der Gebärmutterhalskrebs wegen fehlender Vorsorge-Untersuchungen so häufig ist. «Der Preis ist ein Riesenproblem», räumt denn auch Harald zur Hausen ein. Besonders, weil eigentlich sowohl Mädchen wie Buben vor dem ersten Geschlechtsverkehr gegen HPV geimpft werden sollten. Abhilfe schaffen könnten da gemäss seiner Meinung neue und billigere Impfstoff-Varianten, die darüber hinaus ungekühlt gelagert und sogar als Nasenspray abgegeben werden könnten. Bis es so weit ist, werden die Impfstoff-Produzenten wahrscheinlich – ähnlich wie die Hersteller von HIV-Medikamenten – den betroffenen Ländern einen Spezialpreis anbieten müssen. Sonst werden auch die neuen Impfstoffe wenig ausrichten können im Kampf gegen die weltweite Verbreitung von Gebärmutterhalskrebs.

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