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Der Wonnemonat unter dem Mikroskop

Ja, der Monat Mai. Er macht bekanntlich alles neu, verwirrt die Herzen frisch Verliebter – und offenbar auch die Köpfe einiger Wissenschaftler. Da wollen also schwedische und britische Psychologen herausgefunden haben, dass Menschen, die im Wonnemonat Geburtstag haben, glücklicher sind als die im Winter Geborenen, und zwar im Verhältnis von 50 zu 43 Prozent. Über Internet hatten Jayanti Chotai (Schweden) und Richard Wiseman (Grossbritannien) die Bevölkerung rund um Edinburgh eingeladen, sich über ihre seelische Befindlichkeit zu äussern, und immerhin gegen 30000 Antworten erhalten. Deren Auswertung* ergab einerseits, dass sich – welch Wunder – junge Männer häufiger als glücklich bezeichnen als alte Frauen. Und eben, dass Glückspilze beiderlei Geschlechts unter den um den Monat Mai Geborenen besonders häufig anzutreffen sind.

Hat die Glaubensgemeinschaft der Astrologie jetzt also doch Recht mit ihrem Dogma, dass Wohl und Wehe des Menschen von der Geburtsstunde bestimmt wird? Gemach. Denn da wäre noch von einer anderen Studie zu berichten. Der (ebenfalls) britische Psychiater Emad Salib ist nämlich 26916 Suizidfällen nachgegangen, die zwischen 1979 und 2001 in England und Wales gemeldet wurden. Und hat herausgefunden, dass sich Frühlingskinder offenbar häufiger umbringen als später im Jahr zur Welt Gekommene: Um 30 Prozent ist demnach bei Frauen das Suizidrisiko erhöht, die zwischen April und Juni geboren wurden (bei Männern sinds 14 Prozent). Als März-Geborener bin ich etwas verwirrt. Was gilt jetzt? Sind alle Edinburgher Lügner und mimen die Glückspilze, während doch Melancholie ihre Seele trübt? Nichts Genaues weiss man nicht. Am besten finden wir uns wohl damit ab, dass es immer Phänomene geben wird, die sich der wissenschaftlichen Methodik entziehen. Gut zu wissen, besonders im Wonnemonat Mai.

www.psy.herts.ac.uk/wiseman

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