Ein Protein, das Mäuseriche zu Streithähnen macht, haben Wissenschaftler im Urin der kleinen Nager entdeckt. Der so genannte MUP-Eiweissstoff wirke wie ein Pheromon, berichten die Biologin Lisa Stowers und Kollegen diese Woche in der Wissenschaftszeitschrift «Nature». Pheromone sind Botenstoffe, ohne die nichts geht im Sozialleben innerhalb einer Mäusegruppe: Die von den einzelnen Individuen verströmten Duftnoten sorgen dafür, dass Junge gesäugt werden und Paare sich finden. Einige, so die MUP-Bestandteile, lösen eben auch Aggressionen aus. Nicht umsonst wird das also der griechischstämmige Begriff Pheromon auch mit «Träger von Erregung» übersetzt.
In Erregung geraten Mäusemännchen tatsächlich, wenn sie Rivalen begegnen – besonders wenn deren Rücken zuvor mit MUP bestrichen worden war. Aggressionen kommen unter diesen Umständen aber auch dann hoch, wenn die Rivalen kastriert und somit eigentlich gar keine mehr sind. Ohne MUP-Düfte hingegen herrscht Friede und Freude im Mäusekäfig.
Da gerne oft gleich an den Menschen gedacht wird, wenn von Mäusen die Rede ist, stellt sich auch hier die Frage nach einer praktischen Umsetzung der neu gewonnenen Erkenntnisse. Die Vorstellung, künftig etwa den aggressiven Dunstkreis in Fussballstadien mit einem Gegenspray neutralisieren zu können, hat besonders im Vorfeld der Euro 08 natürlich etwas Bestechendes. Ist aber nicht realistisch. Zwar sind auf dem Markt bereits pheromonhaltige Parfums erhältlich, welche die lieben Mitmenschen gemäss Werbeprospekt in die eine oder andere Richtung zu (ver)führen vermögen. Ob und wie weit Menschen wie Mäuse weitgehend von Duftstoffen gesteuerte Wesen sind, weiss die Wissenschaft jedoch noch nicht sicher zu sagen. Schliesslich reagieren ja auch Frauen (und nicht bloss Männer) aggressiv auf MUP, wenn’s am Morgen im Hauseingang wieder einmal nach Urin stinkt.