In einem guten Nuss-Jahr gibt es viele Buben», will eine Volksweisheit wissen. Eine andere macht die jeweilige Mondphase verantwortlich fürs Geschlecht des eben gezeugten Kindes. Herumgeboten werden auch gestrenge Diäten und ausgeklügelte Sexpraktiken, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Wie auch immer: Wovon es abhängt, obs ein Mädchen wird oder ein Bub, und ob Mann und Frau darauf Einfluss nehmen können und sollen, hat angehende Eltern seit Menschengedenken umgetrieben.
Und damit auch die Wissenschaftler. Eine neue Antwort auf die alte Frage versucht nun eine spanische Forschergruppe in der heutigen Ausgabe von «Science» zu liefern. Montserrat Gomendio und ihre Kollegen haben das Problem anhand von Rothirsch-Populationen studiert. Bis jetzt galt als erwiesen, dass alles von den Hirschkühen abhängt: Sind diese wohlgenährt, werden im allgemeinen mehr männliche Kälber geboren, während in harten Zeiten der Weibchen-Anteil überhand nimmt.
Das spanische Forscherteam konnte nun aber nachweisen, dass die Hirschböcke sehr wohl ebenfalls mitmischen bei der Manipulation des Geschlechterverhältnisses in der Nachkommenschaft. Um den «Muttereffekt» auszuschalten sammelten die Wissenschafter während der Brunstzeit Sperma von 14 Böcken ein und besamten damit über 300 in Gefangenschaft gehaltene Hirschkühe, allesamt wohlgenährt. Wie zu erwarten erblickten darauf über alles gerechnet ziemlich genau gleich viele männliche wie weibliche Kälber das Licht der Welt.
Bei näherer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass die Erfolgsquote der einzelnen Spermien-Spender sehr unterschiedlich war. Die einen unter den Böcken hatten bloss zu einem Viertel Söhne gezeugt, bei anderen dagegen kletterte der männliche Anteil unter den Nachkommen auf bis zu 75 Prozent. Dabei waren es, so zeigte sich hinterher, die fertilen Böcke mit hohem Anteil intakter Samenzellen im Ejakulat, die am häufigsten männliche Nachkommen hatten. Wohl nicht zufällig besassen diese Platzhirsche auch die grössten und schönsten Geweihe, aber das konnten die Hirschkühe aufgrund der Versuchsanlage gar nicht mitbekommen haben.
Eine einfache Erklärung, weshalb fertile Böcke mehr Söhne zeugen als Töchter, hat Montserrat Gomendio allerdings nicht parat. Ebenso wenig einen Tipp für Menschen-Eltern, wie sie auf Bestellung Nachkommen mit dem gewünschten Geschlecht zeugen könnten. Denn die potentiellen Väter tragen ja keine Geweihe, sondern höchstens Hörner auf dem Kopf.