Derweil in diesen Tagen Mythen aller Art Hochsaison haben, gibt das «British Medical Journal» kräftig Gegensteuer. Viele der teils seit Jahrzehnten weiter gereichten medizinischen Volksweisheiten und Gesundheitstipps entbehrten jeglicher wissenschaftlicher Grundlage … oder seien sogar schlicht falsch, schreibt die angesehene Fachzeitschrift in ihrer letzten Ausgabe des Jahres 2007.
Rachel Vreeman und Aaron Carroll wollten es genau wissen und durchstöberten die Fachliteratur nach Fakten, die einige besonders beliebten Mythen untermauern könnten. Fündig wurden die beiden an der Universität Indianapolis Forschenden jedoch nicht.
So stimmt es zum Beispiel nicht, dass der Mensch bloss zehn Prozent seines Gehirns tatsächlich nutzt (obwohl unsere Alltagserfahrung dies manchmal vermuten lässt). Vielmehr haben unter anderem die bildgebenden neuen Untersuchungsmethoden an den Tag gebracht, dass so ziemlich alle Regionen unseres Denkapparates rund um die Uhr auf Draht sind.
Auch mit einer eher makabren Mär räumt das Forscherteam auf: Haare und Fingernägel wachsen nach Todeseintritt nicht während dreier Tage weiter. Das sieht nur so aus, weil die Leichenhaut schrumpft und die Haare daher aus ihrem Bett hervortreten.
Ebenfalls unbewiesen: Dass Lesen bei schlechtem Licht den Augen schadet, es ist höchstens ermüdend. Die Eltern der Kids, die unter der Bettdecke beim Schein der Taschenlampe heimlich lesen (falls sie dies heutzutage überhaupt noch tun), können also beruhigt sein.
Entwarnung sodann für Damen und Herren: Rasieren (auch von Brust und Beinen) regt Haare nicht zu stärkerem Wachstum an. Das erscheint nur so, weil zunächst Stoppeln nachwachsen, die vom Licht noch nicht gebleicht sind.
Und schliesslich enttarnen Vreeman und Carroll die oft zitierte Regel, täglich zweieinhalb Liter Wasser zu trinken, als auf einem Irrtum beruhend. Zwar sei tatsächlich empfehlenswert, pro Kilokalorie aufgenommene Nahrung einen Milliliter Wasser zu sich zu nehmen. Das sei jedoch nicht wörtlich zu nehmen, weil sämtliche feste Nahrung, selbst trockenes Brot, bereits Wasser enthält. Entsprechend dürfe man statt Wasser ruhig beispielsweise Kaffee trinken. Etwa auch im 2008 jeweils während der Lektüre des «Coffeetalks».