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«Barry» trotzt der Bibel

Der in den Vereinigten Staaten (wo denn sonst?) losgetretene bizarre Kulturkampf zwischen Anhängern biblischen Schöpfungsglaubens und darwinistischer Evolutionstheorie ist in eine neue Phase getreten. Fundamentalistische Christen mags wurmen, aber das ändert nichts daran: Ausgerechnet die Bernhardinerhunde, die von den Augustinermönchen auf dem Hospiz des Grossen St. Bernhard zur Bergung von Lawinenopfern herangezüchtet wurden, fallen nun den buchstabentreuen Bibelgläubigen in den Rücken. Denn auch «Barry» (1800-1814), der wohl berühmteste Bernhardinerhund aller Zeiten, der über 40 Menschen das Leben gerettet haben soll, wurde nicht an einem Tag erschaffen. Vielmehr konnten Biologen der Universität Manchester an 47 im Berner Naturhistorischen Museum aufbewahrten Schädeln aufzeigen, wie sich die Bernhardiner-Rasse im Verlauf der Zeit entwickelt hat. Besonders seit vor rund 120 Jahren mit den Zuchtstandards für Bernhardinerhunde ein Selektionsdruck entstand, hätten sich die Schädelformen relativ schnell in Richtung des neu festgelegten «Schönheitsideals» verändert, schreiben Chris Klingenberg und Kollegen diese Woche in den «Proceedings of Royal Society»: der Kopf der Hunde sei zusehends breiter, der Winkel zwischen Nase und Stirn steiler und der Wulst über den Augen ausgeprägter geworden. «Unsere Forschungsarbeit zeigt einmal mehr, dass Selektion – diesmal unter dem Einfluss des Menschen – die treibende Kraft ist hinter der Entwicklung des Lebens auf der Erde», so Klingenberg. Er verschweigt allerdings, dass der Bernhardinerhund unter ebendiesem züchterischen Selektionsdruck inzwischen zu schwer geworden ist, um als Lawinenhund zu taugen. Und ob der legendäre «Barry» damals tatsächlich ein Schnapsfässchen um den Hals trug, wenn er Beinahe-Tote wieder ins Leben zurückholte, sagt uns die Arbeit der britischen Biologen ebenfalls nicht.

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