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Zweibeinig auf den Bäumen

Vergessen Sie, was Sie in der Schule gelernt haben: Dass erst der aufrechte Gang den Menschen – eben von den Bäumen herabgestiegen – zur Krone der Schöpfung machte und dass unsere Ur-Ur-Ahnen sich auf allen Vieren und auf den Handknöcheln fortbewegt hätten (wie das bei Schimpansen und Gorillas zu sehen ist), bevor sie mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen lernten. Das stimmt alles nicht, schreibt die Primatenforscherin Susannah Thorpe von der Universität Birmingham heute im Fachmagazin «Science». Sie und ihre Kollegen haben Orang-Utans beim Herumtollen in Sumatras Wäldern eingehend studiert. Dabei ist ihnen aufgefallen, dass diese grössten in den Bäumen lebenden Affen ebenfalls gerne aufrecht auf den Beinen stehen. Dies hat den Vorteil, dass die Arme frei werden, um etwa nach Nahrung zu greifen oder sich festzuhalten im schwankenden Geäst. Dank solch «handunterstütztem Zweibeingang» verteilt sich das Körpergewicht viel besser, die Orang-Utans können so auch die relativ dünnen Äste der Baumkronen durchforsten, wo die Früchte bekanntlich am süssesten sind. «Aufrechte Fortbewegung verspricht in den Bäumen lebenden Affen echte evolutionäre Vorteile gegenüber dem Herumrennen auf allen Vieren», ist Susannah Thorpe überzeugt. Und schliesst daraus (und aus Skelett-Untersuchungen), dass der aufrechte Gang bereits von den gemeinsamen Vorfahren der Gorilla, Schimpansen und Menschen hoch über dem Boden in den Baumkronen erfunden wurde.

Als dann unsere Urahnen ihr Glück auf der harten Erde suchen mussten, wahrscheinlich weil Bäume aus klimatischen Gründen seltener wurden, hätten sie eben den aufrechten Gang beibehalten. «Schimpansen und Gorillas dagegen haben die Handknöchel-Technik entwickelt, um am Boden von Baum zu Baum zu rennen.» Die Ur-Menschen seien in dieser Hinsicht eben konservativer gewesen. Zum Glück. Es fällt einem ja nicht immer gleich ein Zacken aus der Krone, wenn man nicht jede Mode mitmacht.

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