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Medizin

Die Spermien an der Nase herumführen

Maiglöckchen als Wegweiser

Spermien besitzen Geruchsrezeptoren, wie sie auch in der Nase vorkommen. Gemäss neuen Untersuchungen nutzen dies die Eizellen, um männliche Keimzellen mit Maiglöckchen-Düften anzulocken. Das Phänomen könnte neue Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung eröffnen. Die Ägypter versuchten es laut einer Papyrus-Inschrift aus dem Jahr 1850 v. Chr. mit Krokodil-Exkrementen. Vergleichsweise zivilisiert dann 1500 Jahre später der Tipp des griechischen Naturphilosophen Aristoteles: Er empfahl den Frauen, sich mittels Weihrauch vor unerwünschten Schwangerschaften zu schützen.

In der Zwischenzeit ist die Empfängnisverhütung mit der Pille zur normalsten Sache der Welt geworden – sollte man meinen. Weit gefehlt. Denn immer noch werden jährlich weltweit 75 Millionen ungewollte Schwangerschaften gezählt. Das hat neben den 45 Millionen legalen zusätzlich 20 Millionen riskante Abtreibungen zur Folge. 200 000 Mütter sterben darob jedes Jahr einen vermeidbaren Tod. Der Bedarf nach sicheren empfängnisverhütenden Techniken ist also immer noch ungedeckt. Neben anderen arbeitet auch die Pharmafirma Schering, weltweit der grösste «Pille»-Produzent, fieberhaft daran, die Marktlücke zu schliessen. Und da es bekanntlich immer zwei braucht, um ein Baby zu zeugen, konzentrieren sich die Bemühungen gegenwärtig besonders auch auf die Kontrolle der Fruchtbarkeit beim Mann. Günter Stock, Forschungschef der Schering in Berlin, gab vergangene Woche vor den Medien einen Überblick, wo überall auf dem langen Weg der Spermien von den Hoden bis zum Ei eingegriffen werden kann.

Dabei erwähnte er auch spektakuläre Forschungsresultate, wie sie eben in der Zeitschrift «Current Biology» publiziert wurden. Demnach findet sich der Geruchsrezeptor hOR 17-4 für Maiglöckchenduft sowohl in der Nase als auch in den Spermien. Andererseits geht man heute davon aus, dass Eizellen die Spermien mit Maiglöckchen ähnlichen Düften anlocken. Gelänge es nun, den Lockstoff zu neutralisieren oder die Spermien mittels einer Duftfalle in die Irre zu leiten, ergäbe sich daraus eine elegante Methode zur Empfängnisverhütung. Zumindest ist nun erklärbar, weshalb die ägyptische Methode mit dem Krokodil-Dung funktionierte haben dürfte: Den Spermien «stank» es einfach.

«Current Biology» vom 9. November 2004

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